Dritter Teil
in welchem die Gebote Ultors
niedergeschrieben sind, nach
denen ein jeder Gläubige zu leben
hat.
 


1. Und so trug es sich zu, daß Ultor, unser Herr, aus den sieben Teilen, die einst Varkaz gewesen waren, die sieben Propheten schuf, auf das sie seine Worte in die Welt der Sterblichen tragen mögen. Die Sieben waren Gefäße aus Licht und Reinheit, in die der Gerechte sein Wissen und seine Weisheit fließen ließ. Denn so sind die Worte der Propheten Ultors Worte und Du sollst sie nicht gering schätzen sondern ehren in ihrer Größe.


2. So standen die Sieben auf einem Berge, den man Shandarat nennt, einen steinernen Gipfel, der in einer felsigen Öde steht. Und die Öde war ein Werk des Namenlosen, der dort zerschmettert hatte den irdischen Körper des Varkaz, des größten der Diener Ultors. Den Berg jedoch heißt man heute den Sternfels und er soll alle Gläubigen mahnen, den Fehlungen des Varkaz zu gedenken.


3. Und in den Himmeln öffnete sich eine Pforte, auf daß ein Lichtschein zur Erde fiel, so hell und klar, als währ´s ein Stern. Denn dort, wo das Licht die Welt berührte, standen die Sieben, erleuchtet von der Gnade Ultors.

4. So erschien ihnen Ultor, unser Herr, wahrhaftig und gewaltig, und die Sieben sanken vor Ehrfurcht zu Boden, geblendet von seiner Herrlichkeit. Denn groß ist die Macht und die Kraft der Gerechtigkeit, auf immerdar!
Lobet Ultor!


5. Daraufhin hub eine Stimme zu sprechen an: „Nehmet, meine Kinder, diese Tafeln, sieben an der Zahl, ein jeder eine und verkündet die geschriebenen Worte den
Sterblichen. Denn es ist mein Wille, daß meine Kinder nach jenen Geboten leben, auf daß der Dunkle keine Macht gewinne über sie!“


6. Da stiegen sieben Cherubim in dem
Lichte hinab und ein jeder trug eine
wunderlich anzusehende Tafel aus Stein. Denn in jede der Tafeln waren Zeichen eingelassen, aus Silber schienen sie gefügt und sie leuchtet hell, denn es waren die Worte Ultors.


7. Und dies nun, Gläubiger sind die Texte der sieben Tafeln. Lese sie wohl, lebe danach und trachte, sie auch einem jeden anderen nahe zu bringen:

Das erste Gebot lautet wie folgt:


Jeder rechte Gläubige hat Gerechtigkeit zu üben an allen, die Unrechtes tuen an Unschuldigen. Niemals darf er sich dabei von Gefühl oder Vorurteilen leiten lassen. Wenn ein Dieb vor Meuchlern gerettet wird, so mag derselbe hernach trotzdem durch die Flammen geläutert werden. Gerechtigkeit zu üben und Gericht zu halten ist das oberste Gebot!
Diejenigen aber, die dem Chaos oder dem Bösen huldigen, sind ohne Unterschied den Flammen zu übergeben, auf daß ihre unseligen Taten geläutert werden.

Das zweite Gebot lautet wie folgt:


Weise niemals den Hilfeschrei eines
Schwächeren oder zu unrecht in Not
geratenen Wesens ab, es sei denn, es hat selbst Unrecht getan oder huldigt dem Chaos. Doch sei dem wahren Gläubigen hier angeraten, daß die Ziele des Glaubens höher stehen als die Hilfeschreie normaler Sterblicher. Zerstöre das Chaos wo immer
Du es findest, die Seelen der Unschuldigen werden immer Gnade finden.

Das dritte Gebot lautet wie folgt:


Als Waffe sei nur eine scharfe Klinge
gestattet, da dies die einzige Trennlinie zwischen Recht und Unrecht ist. Im Kampf gegen das Chaos ist der wahre Gläubige nur mit dem Schwerte aufs beste Gerüstet, da auch unser Herr, Ultor, der Gerechte, ein Schwert führet, um die Wahrheit von der Unwahrheit zu trennen.

Das vierte Gebot lautet wie folgt:


Lebe in Gottgefälligkeit und Demut vor Ultor, seiner Gerechtigkeit und
Herrlichkeit. Gehe Deinen Pflichten und Berufungen als gerechter Mönch ohne Unterlaß und Fehl auf alle Zeit und mit vollem Gewissen nach.
So Du alle Pflichten deines Glaubens erfüllst, seiest Du gesegnet und gesalbet mit Weisheit und Macht. Erfüllest Du alle Regeln deines Ordens, seiest Du gesegnet mit Reinheit im Glauben und Deinen Taten. Fehlst Du aber, oder gibst gar falsches Zeugnis ab, so seiest Du desgleichen zu verurteilen wie andere Sünder von unserem Herrn gerichtet werden.

Das fünfte Gebot lautet wie folgt:


Ehre jene Wesen, die weder im Glauben, noch in ihren Taten dem Dunklen huldigen, noch andere üble Dinge und Böses tuen. Und halte die Würde solcher Kreaturen ebenfalls hoch, denn anderes Handeln wäre
ungerecht! Alleine das Gezücht des Chaos muß ausgerottet werden, mit gebotener Strenge und starkem Schwertarm. Doch, Gläubiger, sei gewarnt, besonders Kreaturen, wie jene, die der Dunkle während der Schöpfung erschaffen hat, sind anfällig für seine Einflüsterungen.

Das sechste Gebot lautet wie folgt:


Trage die Worte Ultors hinaus in die
Welt und schare neue Jünger um dich.
Denn so wird die Saat der Gerechtigkeit weit gestreuet werden.
Denn wisse, das viele Wesen im Geiste schwach sind und sich nur zu leicht verleiten lassen, aus Unwissenheit oder durch die Ränke des Bösen, Schandtaten zu vollbringen. Ultors Priester jedoch sind all jenen Schwachen eine stützende Hand aber auch ein scharfes Schwert.

Das siebte Gebot lautet wie folgt:

Lebe in gottgefälliger Bescheidenheit,
Reichtümer, gleich welcher Art, mögen ausschließlich zur Erhaltung der Klöster und Tempel oder der Speisung der Armen vergeben werden. Denn der wahre Gläubige soll weder das Geld anbeten, noch sich bekehren lassen von den Verlockungen geistiger sowie
körperlicher Dekadenz. Reinheit im Geiste bedinget ebenso die Reinheit im Fleischlichen, welches beides Wege zu Erleuchtung und Glaube an die Gerechtigkeit sind.

8. Und wie die Sieben dort so am Boden knieten, richteten die Cherubim das Wort an sie. Ihre Stimmen wahren Wahrheit und die Worte waren wie Schwerter, die die Falschheit zu besiegen trachteten.


9. „So höret, ihr Kinder Ultors, welches Wort wir an euch zu richten haben, denn es ist Ultors Wort. Gebet acht auf jene Tafeln, denn sie sind überaus kostbar und heilig. Bewahret sie gut und errichtet Tempel und Häuser zu ehren Ultors, um die Tafeln der Gebote darin aufzubewahren.“


10. „Und in jedem Tempel sollen
Abschriften sein dieser Worte, auf daß
jeder Gläubige sie zu lesen oder zu hören vermag. Die Tempel aber sollen Orte des Gebets und der Wahrheit sein, zu richten die Schuldigen.“

11. „Seine Tempel sollen Orte der
Gerechtigkeit, des Lichtes und des Gebetes sein. Aber auch vor den Toren der Tempel soll allen Gerechtigkeit widerfahren, die sich frevelhafter Taten schuldig machen. Ultors Name soll in Ehren gehalten werden und überall, wo er erklingen mag, sollen die Sünder ihrer Strafe wahrhaftig gehen.“


12. Nun, da diese Worte verkündet waren, richtete der Siebte, der mächtigste der Cherubim seine Worte an die sieben Propheten. Und er war gekleidet in schwarzes Eisen und weiße Seide, sein Körper geschmückt und geschützt von einem herrlichen Harnisch. Um die Hüften hatte er ein Schwert gegürtet, mit mächtiger und gerader Klinge und auf seinem Schild leuchtete hell das Wagenschwert. Sein Name jedoch ist Iudexius, welcher auch genannt wird „Der große Richter“ in der allgemeinen
Sprache.


13. Und was er sagte, war folgendes:
„Meine Kinder, wahret den Namen
Ultors, des Gerechten. Keine Zunge eines Ungläubigen soll seinen reinen Namen schänden noch mißbrauchen. So verdammet den Ungläubigen mit
Schweigen, auf daß seinem Reden Einhalt geboten werde. Fähret er jedoch fort in seinem Reden, so schneide man ihm die Zunge heraus.“


14. „ Den Gläubigen jedoch strafe härter, sollte er den Namen Ultors schmähen. Die Zungen schneide man solchen Häretikern aus dem Munde auf daß ihre falschen Stimmen auf immer schweigen mögen. Schänden sie den Namen Ultors jedoch mit Taten, so seien sie zu läutern mit dem
Feuer.“ Und die sieben Propheten erhoben ihre Stimmen, Ultor zu preisen und zu loben. Das Licht jedoch verschwand und die Cherubim erhoben sich auf weißen Schwingen dem Elysium entgegen. Die Sieben nahmen die Tafeln der Gebote auf
und stiegen hinab zum Fuße des Shandarat zu künden die Worte ihren Jüngern.


15. Als nunmehr die sieben Propheten die Worte Ultors verkündeten warfen sich die Gäubigen zu Boden, entsagten allen Dingen, um zu Dienen ihrem Herrn. Jeder der Propheten nahm eine Anzahl dieser Kinder zu sich, lehrte sie seine Art zu leben und ein jeder der Orden war nach Ultors Wohlgefallen.


16. Doch die Namen der Orden waren folgende:

„ Der Orden des reinigenden Feuers“,

„Der Orden des heiligen Schwertes“

„Der Orden des wissenden Geistes“,

„Der Orden der gnadenvollen Vergebung“,

„Der Orden desgeflügelten Wortes“,

„Der Orden des reinigenden Blutes“ 

und

„Der Orden des gerechten
Zornes“.

So mögen sie bestehen bis ans
Ende aller Tage.


17. Diese Worte nun, Gläubiger und Kind Ultors, sind die Regeln, die seit Anbeginn bestehen. Es sind dies die Regeln der sieben Orden, jene, nach denen alle Brüder leben und ihr Tagwerk verrichten. Lebe auch du nach diesen Regeln, es sind gute Regeln, denn sie wurden von Ultor selbst gemacht.

Lobpreise seine Herrlichkeit!


18. So sei die erste und wichtigste Regel, daß du dein ganzes Leben den Geboten Ultors folgst, lebe nach ihnen und lehre Andere gleiches zu tun. Jeder, der dies nicht tut, ist kein gerechter Gläubiger und hat sich selbst zu kasteien.

19. Huldige Ultor jeden Tag, lobpreise ihn und seinen Namen, seine Stärke und seine Gerechtigkeit. Lobe ihn siebenmal am Morgen, siebenmal gen Mittag und
siebenmal am Abend. Während der
Nachtmesse lobe ihn vierzehnmal, da du, Gläubiger dann der leuchtenden
Gerechtigkeit der Sterne ansichtig seiest.


20. An den heiligen Tagen lobe Ultor
vierzehnmal zu jeder Tageszeit, um den hohen Anlaß gebührend zu feiern. Lobe ihn auch nach jeder vollbrachten Läuterung durch die Flammen. Jeder, der dies nicht tut, ist kein gerechter Gläubiger und hat sich selbst zu kasteien.


21. Wenn ein geweihter Ultors freimütige Gaben einsammelt, Besitztümer erwirbt oder sonst in irgendeiner Weise vermögend
wird, so sei er verpflichtet, einen Teil seines Reichtums den Armen und Bedürftigen zu geben. Denn so bewahret er Reinheit und Gerechtigkeit. Jeder, der dies nicht tut, ist kein gerechter Gläubiger und hat sich selbst zu kasteien, sowie solcherlei Besitz zu verteilen unter den Bedürftigen.


22. Hat gar ein Priester sich etwas zu
schulden kommen lassen, dessen
Ungerechtigkeit er sich nicht bewußt war, so hat er sich daraufhin selbst zu kasteien. Sieben ist die heiligen Zahl, die den Geist und Körper reinigt und befreit. So hat der Priester sich mit Schlägen, die immer einem vielfachen der geheiligten Zahl entsprechen müssen, zu reinigen. Die Höhe einer solchen Buße wird von der größe des Vergehens und der Güte des Beichtvaters bestimmt. Jeder. Solcherart soll die Strafe bei allen Verfehlungen sein, gleich welcher Art. Jeder, der dies nicht tut, ist kein gerechter Gläubiger und hat sich selbst zu kasteien.


23. Schlimmer noch ist es, wenn ein Kind Ultors Dinge tuet, die der Natur seines Glaubens widersprechen. Solcherlei sind Häresie, Mord aus Hinterlist, Perversion oder gar der Dienst an dem, dessen Name nicht genannt werden wird. Solcherlei sind die schlimmsten Taten, derer ein
Ultorianer sich schuldig machen kann,
denn so gibt es dafür auch nur eine gerechte Strafe. So ist denn der Schuldige alsbald den Flammen zu überantworten, auf daß seine verderbte Seele geläutert werde. Gnade Ultor in der Höhe! Sterne für Ultor!


24. Jedem von den Göttern geschaffenen Wesen, außer jenen Mißgeburten, die jener, der nicht genannt werden wird, erschaffen hat, sei der Zutritt zu den Brüdern und Schwestern Ultors gestattet. Es sei auch gestattet daß, ob Mann oder Weib, ein jeder zu einem hohen Amt berufen werden kann. Jeder, der dies nicht tut, ist kein gerechter Gläubiger und hat sich selbst zu kasteien.


25. Eine jede Verhandlung sei, wann immer möglich, von den Brüdern der Inquisitorii zu führen. Einem beschlossenen Urteil ist auf jeden Fall Folge zu leisten, da Ultor selbst diese Kinder zu ihrem Amte berufen
hat. Jeder, der sich aus widrigen Gründen einem solchen Gottesurteil widersetzt, ist kein gerechter Gläubiger und hat sich selbst zu kasteien.