Zweiter
Teil
in welchem erzählet wird, wieVarakaz erschaffen, vergangen
und die sieben Propheten Ultors über das Antlitz der Welt
gewandelt sind.
1. Und Ultor unser Herr herrschte mit eiserner Macht und starkem Willen über die Welt, zu richten die Schuldigen und zu vergeben den wenigen, die keine Schuld auf sich geladen hatten. Doch so sehr er sich auch mühte, die Sterblichen drängte es danach, Unrecht zu tuen. Wahrlich, die Saat des Dunklen war aufgegangen und ein jeder trachtete dem Anderen nach dem Leben. Da wußte Ultor, unser Herr, daß er einen starken Stellvertreter auf Erden erschaffen müsse.
2. Da erblickte er mit wohlgefallen eines
seiner Kinder, von Namen Varkaz, dessen Geist rein und dessen Taten gesegnet
waren. Er allein war würdig, er alleine würde Ultors Stimme und Hand in der Welt
sein.
3. Und in der Nacht nun, da das Fest dertausend Sterne nahte, fand Varkaz sich
gerufen zu einem bestimmten Orte in der Einöde die man früher Trainon nannte,
ein blühendes Land voller Schönheit. Heute jedoch ist es verderbt und viele
Völker nennen es die „Wilden Lande“.
4. So sprach Varkaz zu seinen Schutzbefohlenen,
die angst und bange waren, ob
des plötzlichen Ansinnens ihres
Lehrmeisters: „Fürchtet euch nicht, denn mir wird gutes widerfahren, denn es ist Ultor, unser aller Herr, der mich ruft. Harret meiner, betet zu Ultor und grämet
euch nicht, denn ihr werdet der heutigen Nacht eines Wunders teilhaftig werden.
So segne ich euch im Namen Ultors, des Bewahrers der Gerechtigkeit.
Lobet Ultor!“
5. Als Varkaz inmitten des weiten Feldes stand, blickte er hinauf in den Himmel
der übersähet war mit Sternen. Und siehe da, einer der Leuchtenden strahlte auf
und fiel mit langem Schweif zu Boden. Doch als Varkaz in das helle Licht
blickte, gewahrte er dort einen Cherubim, der zu ihm sprach:
„Fürchte dich nicht, denn du bist des
wahren Glaubens.“
6. So legte der Cherubim Varkaz eine Hand auf und sprach: „Mein Name ist
Gratianus und ich überbringe dir den
Willen meines Herrn. Du sollst führen
die Kinder Ultors auf der Welt. Du
sollst verbreiten die Lehren unter den
Unwissenden. Du sollst schaffen die
Gerechtigkeit unter den Sterblichen. Du
bist mein Kind! „ Und die Weisheit seines Vaters erstrahlte von diesem Momente
auch in allen Dingen, die Varkaz tat und er wurde wahrhaftig das Kind Ultors.
7. Und seine Jünger sahen im Dunkel der Nacht den Stern zu Boden fallen und
weinten bitterlich. Sie riefen Ultor um Gnade an, um ihren Mitbruder, den sie
nun so plötzlich im Elysium dachten. Doch aus Trainon kehrte zurück Varkaz,
umgeben von einer Aureole von hellem Lichte. Seine Jünger waren sehr verwundert
und zweifelten. „Was ist dir geschehen, dort in der Wildnis?“ fragten sie
ängstlich. Varkaz lächelte sanft und sprach: „Ultor unser Herr ist mir
erschienen, seinen Segen zu geben, auf daß wir bringen werden Gerechtigkeit über
alle Völker.“
Nun stieg der Stern in Trainon auf gen
Himmel und die kleinmütigen Jünger
warfen sich dem Gesandten Ultors zu
Füßen.
8. So wandelte Varkaz über das Angesicht der Welt, das größte der Kinder Ultors und sprach Gerechtigkeit. Und er ward über die maßen alt, obwohl es seinen Körper nicht an Kraft ermangelte. Varkaz war vierhundertundzwanzig Jahre alt, als der Dunkle ihn in das finstere Tal der Versuchung irre leitete.
9. Und die Worte dessen, der hier nicht genannt werden darf waren süß und verlockend, wenngleich sie alle Lügen waren. Doch Varkaz erkannte die Falschheit und wußte darum sehr wohl. Insgeheim jedoch sprach er zu sich selbst, daß er mit solcher Macht ein vielfaches mehr auf der Welt bewirken könne, um Gerechtigkeit zu geben.
10. War nicht in ihm ein
Teil der
Göttlichkeit Ultors? War er nicht mächtig genug, den durchsichtigen Versuchungen
zu trotzen? So dachte Varkaz vermessen und verfiel in den Hochmut eines
Häretikers.
11. Und der Dunkle frohlockte, als der
Prophet sich ihm hingab, wohlwissend daß er nun der Verdammnis anheim gefallen
war. Doch Ultor sprach von dem Los der Gerechtigkeit, daß auch die seinen
ereilen würde, so auch Varkaz.
12. Also diente Varkaz seinem neuen Herrn und vollbrachte viele böse Taten, die
Vernichtung und Tot brachten. Aber auch gutes tat er, denn der Segen Ultors
lebte noch hinfort in ihm.
13. Und Varkaz ward so mächtig, daß er begann, die Dinge um ihn herum nach seinem Gutdünken zu formen und neues zu erschaffen. Doch nur der, dessen Herz im Innersten rein ist, kann neues erschaffen, das Chaos kann nur verzerren und verändern. So zog sich Varkaz den Neid und den Haß der Diener des Dunklen zu und sie lästerten seiner.
14. Am Ende schuf er die
Canir und
erkannte, als er ihrer ansichtig wurde, wie seine eigene, geknechtete Seele um
Hilfe rief. So endete der Alptraum nach dem er gelebt hatte nach
zweihundersechsundsechzig
Jahren und der wahre Varkaz
kehrte zurück.
15. So sammelte er denn seine getreuen
Vasallen, die sich noch immer im Dienste des Chaos glaubten, um mit ihnen auf
die Ebene von Lustairon zu marschieren. Er verschanzte sich in der finsteren
Festung Lahakaryl. Dort forderte er seinen ehemaligen Herrn, den Dunklen, zum
Kampfe heraus.
16. Und es kamen die Herren der
Veränderung mit ihren Schaaren und
schlugen sich mit den Vasallen des Varkaz. Die Schlacht dauerte mehrere Jahre
und am Ende stand Varkaz alleine inmitten eines Meeres erschlagener Dämonen. Da
erschien der, der nicht genannt werden darf, schlug mit seinen Klauen nach
Varkaz und tötete ihn. Voller Haß nahm er den toten
Körper und schleuderte ihn sodann auf den Berg Shararat.
17. Doch aus dem nächtlichen Himmel fuhr ein Licht zur Erde, gewaltig und hell.
Sieben Cherubim sanken hernieder,
geführet von Iudexius, der da auch genannt wird der große Richter und dieser
sprach:
„So soll enden der große Varkaz, der ein
Kind Ultors war und der Dunkelheit
verfiel.“ Und ein jeder der Cherubim hob
ein Schwert und sie Schlugen Varkaz in
sieben Teile.
18. Doch Ultor unser Herr sah das Gute in den Canir und dem Sieg, den Varkaz
gegen die Scharen von Dämonen errungen.
Und er weinte bitterlich sieben Tage lang seines geliebten Kindes wegen. Dann
hub er an zu sprechen: „Varkaz, der du mein liebstes Kind warst von Anbeginn,
verzeihen kann ich dir deine Schuld nicht. Doch mag etwas neues deine Untaten
sühnen und so werde ich erschaffen aus deinem Körper sieben Wesen, die die
sieben Propheten meines Glaubens sein sollen.“
19. Noch sieben weitere Tage erstrahlte der Berg Shararat in seinem Lichte und
Ultor schuf die Propheten. Am letzten Tage erlosch das Licht und sie traten
herab vom Gipfel des Shararat. Und mit sich führten sie die sieben Tafeln mit
den Geboten des Ultor.
20. Die Namen der Propheten aber sind
folgende: Barathäus, Tarquil, Jeseniel,
Marathenan, Isidoria, Deragar und
Raundir.
1. Kapitel
Der heilige Prophet Barathäus
1. Aus dem Körper des Varkaz schuf Ultor unser Herr den heiligen Barathäus.
Dieser sollte der Prophet der Jünger des Ordens des geflügelten Wortes werden.
So sprach Iudexius: „Du sollst gehen hinaus
in die Lande, zu sammeln die Ungläubigen und zu führen auf die Pfade der
Gerechtigkeit.
Dies soll dein Schicksal sein.“
2. Und als der heilige Barathäus am Fuße des Shararat stand, sprach er: „Meine
Kinder, folgt mir, wie ihr immer den Worten Ultors gefolgt seid. Tragt in euren
Herzen den Glauben an die
Gerechtigkeit und lehret andere, gleiches
zu tun.“
3. So zog die Schar den aus, den wilden und unentdeckten Landen entgegen. Sie trafen viele heidnische Völker, die Götzen ohne Macht anbeteten. Und die Namen all jener Götzen sind Legion, aber die Schreine wurden zerstört und die Bildnisse vernichtet, da sie unheilig und falsch waren.
4. Bald war die Schar bis in die Berge der´Kitai-Kette gewandert, um auch dort zu missionieren. Zu jener Zeit befand sich dort ein Vor-Laikirianisches Reich namens Resh-Agalon, dessen Bewohner dem Kult des menschenfressenden Gottes Kulaan anhingen. Aber Kulaan war nur einer der Dämonen des Dunklen, welches den heiligen Barathäus aufs äußerste erzürnte.
5. Und der heilige
Barathäus ging hin,
zerstörte die Tempel, stürzte die
Götzenbilder und ließ die Priester für ihre grausamen Morde läutern.
6. Und die Heiden strömten zusammen und fragten: „Warum zerstört ihr die Bildnisse unserer Götter, sie werden uns zürnen. Das Land wird verdorren, die Ernten verfaulen und Plagen werden uns dahinraffen. Wartet, der Zorn wird euch ereilen, wie ihr da in euren weißen Gewändern einherschreitet und ihr werdet tot umfallen.“
7. So fuhr der Schrecken in die Glieder der Jünger des heiligen Barathäus und
sie wandten sich zweifelnd an den Propheten und ersuchten ihn um Beistand. Doch
dieser erhob das Wort: „Was zweifelt ihr in eurem Glauben an Ultor? Solcherlei
Götzen haben keine Macht. Seiet standhaft und wehret euch dieser Heiden.
Zweifelt nicht!“
8. Und als nach dem
vierten Tage der Zorn der Götzen die Jünger des heiligen
Barathäus immer noch nicht dahingerafft
hatte, begann einige der Heiden zu zweifeln.
Der Prophet Ultors aber sprach zu den
Heiden: „Sehet nun die Macht eurer
Götzenbilder, die dort zerschmettert im
Staube liegen! Alles, welches nicht erfüllet ist von der Macht wahrer
Göttlichkeit, sei auf immerdar vernichtet. Zu schwach ist euer Gott, er vermag
euch in der Stunde der Wahrheit nicht beizustehen.“
9. Da versuchten die heidnischen Priester mit zahlreichen Menschenopfern ihren Herrn gnädig zu stimmen und flehten um Hilfe.
10. Aber nach vier Tagen war noch immer nichts geschehen, obwohl viele ihr Leben hatten lassen müssen. Das Volk aber murrte und wandte sich ab von dem falschen Gott, der nur Blut forderte.
11. Und die Priester stärkten sich am
Fleische der Geopferten und in der Frühe des folgenden Tages griffen sie das
Lager der Ultorianer an.
12. Doch das Volk von
Resh-Agalon eilte den Bedrängten zu Hilfe und ein
fürchterlicher Kampf entbrannte.
13. Der heilige Barathäus
jedoch ward so Ergriffen von dem Mut der Bevölkerung daß er noch während des
Kampfes Gesänge zu Ehren Ultors anstimmte. So gewaltig und mitreißend sang er,
daß viele seiner Jünger einfielen und das Schlachtfeld bald
widerhallte von den Hymnen der
Gerechtigkeit. Und die Priester des Gottes Kulaan sanken auf die Knie, senkten
das Haupt und harrten ihres Schicksals.
14. Und der heilige Barathäus zog weiter gen Süden, zu bekehren die Länder, welche hinter der Kitai-Kette liegen sollten und er ward nicht mehr gesehen in den Ländern westlich der großen Öden.
15. Doch dies waren die
letzten Worte, die der heilige Barathäus vor seinem Scheiden zu einigen seiner
Jünger sprach, die zurück blieben: „Nun höret, meine Kinder, denn wir werden uns
nicht wieder sehen. Während des letzten Gebetes an unseren Herrn hatte ich eine
gewaltige Vision. Ich sah die Gewänder unseres Ordens und der anderen sechs sich
ausbreiten über die ganze Welt. So rein und klar war die Vision, so gewaltig die
Größe, das ich noch jetzt erschaudere. Doch seiet Standhaft, denn der Dunkle
lauert überall und so sehe ich sein Zeichen leuchten wie ein brennendes
Fanal. Denn es wird einer kommen, der
trägt einen Stein, welcher erfüllet ist mit dem Wissen zahlreicher Jahrhunderte.
Und er wird gewandet sein in das Grün und Braun des Waldes, doch seine Hände
werden triefen von dem Blute
unschuldiger. Meine Kinder, wehret euch
des grünen Steines, denn solches Unheil
wird er über die Welt bringen, daß die
Himmel schwarz und die Länder voller
Asche sein werden. Bewahret meine
Worte gut und traget sie unter
euresgleichen weiter.“
16. Und der heilige
Barathäus wurde
einhundertfünfzig Jahre alt, ehe er im
Ringen mit den Dämonen des Dunklen
erschlagen ward. Seine Gebeine jedoch
setzte man in einer Lade in den
Wüstenländern bei und jener Ort wurde
genannt Roxalbagrad.
2. Kapitel
Der heilige Prophet Tarquil
1. Aus den Teilen des Varkaz schuf Ultor den heiligen Tarquil. Dieser sollte der
Prophet der Jünger des Ordens der reinigenden Flamme werden. Und Iudexius sprach
zu ihm: „Mein Kind Tarquil, du sollst mit deinen Jüngern ein Sucher der Wahrheit
werden, die Andere vor Ultor zu verbergen trachten.“
2. Und ernsten Wortes versammelte er seine Jünger. „Meine Brüder, unsere Aufgabe ist die schwerste aller. Unsere Bürde ist es, Wahrheiten zu finden, die in den Gedanken anderer verborgen liegen, gleich mit welchen Mitteln. Doch bedenket wohl die Schwere einer solchen Tat, wenn wir einem Unrecht damit zufügen. Deshalb ermahne ich zu Strenge, Selbstdisziplin und Demut.“ Und der Orden wurde seither geachtet ob seiner gestrengen Regeln.
3. Mit ernsten Mienen zogen also jene des Ordens der reinigenden Flamme aus, geführt von ihrem Propheten, dem heiligen Tarquil. Jedes verborgene Geheimnis fanden sie, erforschten Körper und Geist. Und dem heiligen Tarquil war es ein Wohlgefallen.
4. Doch auch Kreaturen,
welche weder
Schmerz, noch Qual noch ein jedwedes
Gefühl empfanden, preßte der heilige
Tarquil, die Wahrheit preiszugeben. Der heilige Tarquil gab sich mit solchem
aber nicht zufrieden, er suchte die Wahrheit in allen Dingen. So zog er aus, zu
suchen die letzten Geheimnisse, die verborgen lagen in den Tiefen der Welt. Und
nach
neunundvierzig untunterbrochenen Jahren der Suche wurde er müde, denn die
Wahrheiten hatten sein Wissen gemehrt, doch die endgültigen Wahrheiten waren ihm
verwehret worden.
5. So kehrte im
fünfzigsten Jahr der heilige Tarquil aus weit entfernten Landen zurück. Doch als
er sich in der Nähe der großen Stadt Harroganus befand, glühte am nächtlichen
Firmament ein Stern auf und
fiel zu Boden. Und der heilige Tarquil trat hinzu, um auch diese Wahrheit zu
ergründen.
6. Am Boden lag jedoch
ein wunderlich
leuchtender Stein, durchdrungen von üblen Mächten des Dunklen. Er war gefüget
aus jenem seltenen Material, das verfluchet ist von Veränderung, der Stoff,
welcher erschaffen hat jenen, der nicht genannt werden darf.
7. Und so wurde der heilige Tarquil in Versuchung geführt, die Wahrheit hinter jenem Steine zu ergründen, um den Verderber selbst zu besiegen. So nahm er denn das unheilige Artefakt unter sein Gewand und zog gen Harroganus.
8. Also betete er sieben Tage und Nächte: „Oh, Ultor mein Herr, beschütze mich in dieser Zeit der Not und Verzweiflung. Nie habe ich deiner gefehlt, nie Unrecht getan, immer getreu deines Glaubens gehandelt. Nun will ich ergründen jene letzte, große Wahrheit, um eine Waffe wider den Feind zu schmieden, die härter ist als ein Diamant.“
9. Doch niemand wagte,
von der Versuchung zu sprechen. Von der Versuchung, dem Dunklen und seinen
Ränken zu verfallen. War es nicht einer der Propheten Ultors, stand er nicht
unter dem Schutz seines Gottes? Und so war es.
10. Und der heilige Tarquil ging in einen
Turm, welcher hoch über Harroganus
stand. Mit sich führte er jenen unheiligen Stein. Doch alle Gläubigen Ultors
beteten für sein Heil.
11. Nach fünf Jahren trat der heilige Tarquil hervor und er schien seinen
Jüngern noch genau so stark und rein, wie vordem. So sprach er: „Ich werde
schmieden ein Schwert so klar und rein, die Klinge so scharf, auf daß sie ein
Blatt Papier der schmalen Seite nach zu durchteilen vermag.“ Und der heilige
Tarquil trat wieder in den Turm.
12. Nach jenen Worten jedoch versuchte ihn der Dunkle des Tages und des
Nachtens. Doch es war vergebens, zu stark war der´Prophet.
13. Nachdem jedoch das
zehnte Jahr
vergangen war, erfaßte den heiligen
Tarquil eine stille Verzweiflung, er möge das Geheimnis des Steines nie
ergründen. Da erhörte er die Einflüsterungen des Dunklen.
14. Und der heilige Tarquil sündigte. Doch als der Dunkle ihm die Wahrheiten
über den Stein erzählte, bemerkte der Prophet den tiefen Fall, den er getan. So
trat er auf die Spitze des Turmes und sprach zu dem Volk: „Meine Kinder ich habe
geblickt
in das Auge des Sturmes, in welchem jener lauert, den wir den Dunklen nennen.
Ich habe erblicket die Wahrheit, ich kenne sein niederträchtiges Wesen. Doch in
der Stunde meiner größten Not hatte ich eine Vision. Mein Herr sprach zu mir und
er sagte, daß eine Zeit großer Gefahren kommen wird. Dann breche die Erde auf
und glühende Ströme von Feuer ergießen sich über das grüne Land. Und auf einer
Welle von Tod und Verderben kommen die Sklaven des Dunklen daher, alles Leben zu
vernichten. Doch zu jener Zeit
werden auch widerauferstehen alle
Propheten Ultors und sie werden die erste große Schlacht schlagen gegen die
Dunkelheit die da kommen mag. Deshalb fürchtet euch nicht, denn die
Gerechtigkeit wird siegen.“ Und der heilige Tarquil stürzte sich von jenem Turm,
um sich für seine Sünden zu strafen und das Unheil, das ihm nun inne wohnte zu
vernichten.
15. So wurde der heilige
Tarquil einhundertundzwanzig Jahre alt, ehe er Sühne tat für seine Verfehlungen.
Seine Gebeine jedoch ruhen seit jeher in der Stätte namens Harroganus, gelobet
sei Ultor.
3. Kapitel
Der heilige Prophet Jeseniel
1. Der heilige Jeseniel ward erschaffen aus dem Körper des Varkaz durch Ultor
unsren Herrn. Und er wurde der Prophet des Ordens des reinigenden Blutes. So
sprach Iudexius: „Du seiest dazu ausersehen, den Körper und den Geist zu
reinigen von den Versuchungen und der
Besessenheit durch Dämonen.“
2. Mit feudiger Erwartung ging der heilige Jeseniel seinen Jüngern entgegen, die
schon ergeben auf ihn warteten. Seine laut
tönende Stimme hallte wie Donnerschall über die Menge, als er seine ersten Worte
sprach: „Meine Jünger, wir sind alle zu großem Auserkoren. Eretten werden wir
all die gemarterten unschuldigen Seelen,
die sich in den Klauen von Dämonen
befinden. Vertreiben werden wir solch
bösartiges Gezücht, reinigen werden wir
den Körper und eretten die Seele.
Diejenigen aber, die Dämonen willentlich einlassen in ihre Körper, werden
brennen heller als die Sonne!“
3. Und alle seine Kinder zogen aus, suchten das Wissen und erprobten ihre Kräfte der rituellen Austreibung. Denn die Wege des Bösen sind mannigfaltig und es tritt zu dir in der Maske deines besten Freundes oder Weibes.
4. Der heilige Jeseniel
aber, war so erfüllt von göttlicher Kraft, daß selbst seine Blicke den Dämonen
Angst einjagten und viele flohen vor ihm. Denn seine Augen leuchteten wie zwei
Sterne und es war der Schrecken einer jeden unheiligen Macht. So wurde der
heilige Jeseniel gerühmt über alle maßen, da er Macht hatte über die Kreaturen
der Dunkelheit.
5. Alsbald konnten die geringsten der
Dämonen nicht mehr in die Körper der
Sterblichen fahren. Denn wo immer dies
geschah, war Jeseniel oder einer des
Ordens zugegen, einen Exorzismus
auszuführen. So war für die Dauer von
über hundert Jahren vielen die Welt
verschlossen. Gelobt sei Ultor!
6. Wie tobte der Dunkle da ob seiner
Machtlosigkeit! Wie grämte die Schwarze Spinne sich ihrer Schwäche! Und die
Sterne strahlten eine jede Nacht heller am Firmament.
7. Und der heilige Jeseniel trat an einen Ort, der genannt ward der Schlund der Schatten um sich zu stellen dem Dunklen. Mit ihm waren sieben seiner besten Schüler, deren Namen sind Legende. So sprach der heilige Jeseniel: „Unwürdiger Schatten unter Schatten, der du schwach warst von Geburt, dir ist verwehret der Schritt in die Welt der Sterblichen. Ich halte dich zurück mit starker Hand und mein Wille wird für immer verschließen den Schlund der Schatten.
8. So hub er und seine
Jünger an, zu
schließen den Weg für alle dunklen
Kreaturen. Doch noch ehe das Werk
vollbracht, brach ein Schatten unter
Schatten hervor und versuchte sich einen
Weg zu bahnen in den Geist des heiligen
Jeseniel.
9. Doch der Heilige rief zu seinen Jüngern:
„Verzweifelt nicht! Ich werde einlassen die Dunkelheit und ihr werdet mich von
ihr befreien. So werden wir den Dämonbannen und vertreiben von dieser Welt für hundert Jahre und einen Tag.“ Und der
Schatten fuhr durch seinen Mund in ihn hinein.
10. Wie erschraken die Jünger da, glaubten sie ihren Meister doch in der Gewalt
dunkler Mächte. Doch der heilige Jeseniel kniete besonnen nieder und sprach:
„Beginnet euer Werk, wie ich es euch gelehret habe, so wird euch kein Leid
geschehen.“
11. Einen gewaltigen Choral stimmten die Ultorianer an, der handelte von der
Reinheit Ultors und der Gerechtigkeit
seiner Worte. Der heilige Jeseniel wand sich unter diesen Klängen, verfluchte
mit tiefer Stimme seine Jünger und schlug mit seinen bloßen Händen um sich.
Seine Augen jedoch leuchteten wie ehedem so hell wie der hellste Stern am Firmament und
die Jünger wußten, daß er rein war im
Geiste.
12. Die Jünger des
heiligen Jeseniel
vollführten hernach die Riten der rituellen Austreibung, sie Exorzierten ihn,
wie sie es aus seinem Munde vernommen und gelernt hatten. Als also der Choral
keine Wirkung hatte, bannten sie den Dämon mit dem Kreuze, als dieses keine
Wirkung zeigte, bannten sie unter Androhung des Feuers. Der Dämon war stark, dem
Feuer
mochte er allerdings nicht trotzen.
13. Da rief plötzlich der heilige Jeseniel mit klarer Stimme: „Nun meine Brüder,
jetzt ist er schwach!“ Und seine Jünger erhoben Gesänge, bannten mit dem Feuer
und dem Kreuz, dem heiligen Wasser und den Düften gesegneten Räucherwerks. Da
schrie der Dämon vor Qual.
14. Aus dem Munde des heiligen Jeseniel fuhr da der Schatten aus Furcht hervor. So war der Diener des Dunklen für hundert Jahre und einen Tag von der Welt der Sterblichen gebannt. Und es war einer der Heerführer dessen, der nicht genannt werden wird und er war schwach und ängstlich.
15. Der heilige Jeseniel
jedoch richtete
danach ernstes Wort an seine Jünger, über die Dinge, die er erblicket, während
der Schatten in ihm war: „Und aus der
Dunkelheit meiner Qual erblickte ich
leuchtende Bilder. Ich sah die Thronstühle dieser Welt, besetzt mit hehren
Häuptern königlicher Würde und Macht. Hinter den Königen aber lauerte ein
Schatten, formlos und häßlich, ohne Gestalt. Und der Schatten hatte Beine, acht
an der Zahl, die waren dünn und mit Klauen besetzt. Von jedem Bein gingen
Schnüre aus, so dünn wie Seide und an jeder hing ein König. Jetzt wußte ich, daß
all die huldvollen Bewegungen nur die seelenlosen Gebärden eines großen
Schatten waren. Und ich fürchtete mich
um das Schicksal der Welt. Doch einer
war da, der durchschnitt mit einem
Schwerte aus Elfenbein die Schnüre und stellte sich dem Untier im Kampfe. Und
die Kreatur spie Gift wie Säure, trat mit den Beinen und fauler Zauber entsrömte
ihrem eitrigen Maule. Der Kämpe hob jedoch das Schwert, ergriff einen
wunderlichen Stein zu seinen Füßen und ging tapfer gegen den Schatten vor.
Darauf entbrannte ein Kampf, der die Welt erschütterte und ich sah die Reiche
der schwachen Könige zu Boden gehen, als ob sie auf tönernen Säulen gestanden
hätten. Hier endet meine Vision, ich vermag nicht zu sagen, welche Seite hernach
gewann.“
16. Müde senkte der heilige Jeseniel sein erhabenes Haupt und mit sanften Worten sprach er: „Jetzt meine Jünger muß ich gehen, denn schon seit einhundertsechsundreißig Jahren wandle ich auf dieser Erde. Grämet mir nicht, denn ich sage euch, es kommt der Tag, da auch ich wieder wandle auf dem Erdenrund.“ So waren die letzten Worte des Propheten.
17. Und der heilige Jeseniel wandte sich um, schritt durch den Schlund der
Schatten und verschwand. Seit jenem Tage ward er nicht mehr gesehen und keiner
weiß, was ihm zugestoßen ist in der Fremde. Doch er wurde
einhundertsechsundzwanzig Jahre
alt und erwartet uns im Elysium. Gelobet sei Ultor im der Höhe und auch auf der
Welt soll ein Friede für alle Zeiten sein!
4. Kapitel
Der heilige Prophet Marathenan
1. Aus dem, was geblieben war, erschuf
unser Herr, Ultor der Gerechte, ein
erleuchtetes Wesen, das er Marathenan
nannte. Und er sollte der Prophet des
Ordens des wissenden Geistes werden. So sprach Iudexius: „Du, Marathenan, seiest
dazu ausersehen, ein Sucher nach Wissen zu werden. Lerne über deinen Feind, denn
nur den Feind den Du kennst, weist Du auch auf die rechte Weise zu bekämpfen.“
2. So schritt der Heilige Marathenan unter die wartenden Ultorianer und er suchte sich solche, die versonnen dasaßen und über die Natur der Dinge diskutierten. Also erhob er seine Stimme: „Wir werden das Bollwerk sein, das unseren Mitbrüdern die Schwächen unserer Feinde zeigt. Denn nur die Hand, die weiß, wo die Rüstung Lücken hat, weiß das Schwert recht zu führen.“
3. So zogen die Jünger
des Ordens aus,sammelten an Wissen über die Feinde´Ultors, was sie in die Hände bekommen
konnten. All das wurde zusammengetragen in einer Bibliothek, welche der Heilige
Marathenan den „Hort des Wissens“ nannte. Gelegen war er auf einer großen Ebene,
auf einem einsamen, großen Felsen, der sich aus dem Erdboden erhob. Und für
die Jünger des Wissenden Geistes war
es ein heiliger Ort.
4. Und das Wissen war so groß, daß die Brüder des Ordens tief in den Fels gruben. Ein dunkles Labyrinth vieler Gänge, gefüllt mit beschriebenem Pergament. Um das Kloster des „Hortes des Wissens“ aber entstand eine Stadt, in der viele Gelehrte, Priester und Scholaren lebten. Der Heilige Marathenan erkannte das gute darin und alle an diesem Orte suchten das verborgene Wissen.
5. Doch so groß die
Erkenntnisse auch
waren, die der Orden des Wissenden
Geistes in jener Zeit sammelte, der Kampf
gegen die Mächte des Dunklen ward nicht gewonnen. So sehr die Jünger des
Heiligen Marathenan sich auch mühten
und mit ihrem Wissen die anderen Orden unterstützten, so wollte doch ein Ende
des Kampfes sich nicht abzeichnen. Der Heilige Marathenan jedoch ging tief hinab
in den „Hort des Wissens“ und studierte alles darin enthaltene Schriftwerk.
6. Nachdem die Sonne siebzig mal das
Himmelsgewölbe überqueret hatte und die Sterne gleichermaßen oft am Himmel
geleuchtet, erhob er sich und war sehr verzweifelt. Obwohl er über viele Jahre
hinweg Wissen gesammelt hatte, so schien doch nichts davon ihn zu erleuchten. So
war er müde und ohne Kraft und begab sich in seine Zelle.
7. Als er sein Haupt
niederbettete und der Schlaf ihn umfing, hatte der Heilige
Maratenan eine Vision: Aus dem
gleißenden Licht der Sterne sprach eine
sanfte Stimme zu ihm, während er
vermeinte, tausend Chöre daß Lobet Ultor singen zu hören glaubte. „Höre,
Marathenan, was ich dir zu sagen habe.
Du sollst ausziehen und die wahren Namen all jener dunklen Kreaturen sammeln,
jener verderbten Dämonen, die dem Dunklen Dienen. Denn nun offenbare ich dir ein
geheimes Wissen: All jene Namen ausgesprochen und vereint ergeben den Namen
dessen Der nicht genannt werden darf. So sei es dem heiligen Orden Ultors also
vergönnt, wenn er alle Namen kennt, Macht zu gewinnen über den Dunklen und
ihn zu vernichten!“
8. So schritt der Heilige Marathenan unter seine Jünger und kündete ihnen von
seinem Traume und der darin enthaltenen Offenbarung. Alsbald verließen viele des
Ordens den „Hort des Wissens“ und zogen in die Welt, erneut auf der Suche,
jedoch mit hehrem Ziel. Denn alle Jünger waren Ultor ein Wohlgefallen und der
Segen möge alle Zeiten auf ihnen ruhen.
9. Die Jünger des Ordens bereits alsdann die ganze Welt, von den nördlichen,
kalten Öden bis hin zu den brennenden Wüsten des Südens. Sie trugen jeden Namen
der Dämonen ihrem Propheten zu und zahlreiche, neue Kammern mußten in den Fels
geschlagen werden. Doch es war nicht
genug.
10. Nach langen Jahren
jedoch trat der
Heilige Marathenan widerrum unter seine Jünger und er sprach: „Meine Brüder,
euer Werk, das ihr vollbracht wahr wohlgetan. So stehen wir vor der
Vollendung unseres Werkes, denn nur
einer der Namen fehlt uns noch!“ Und in
Demut und Glück beteten der Orden des
Wissenden Geistes sieben Tage lang bei Fasten und Selbstkasteiung.
11. Doch wie betrübt war
der Heilige
Marathenan, als nach einigen Jahren der
Name immer noch nicht gefunden ward.
Allzugut versteckt, allzu mächtig mußte
er sein. Und er gehörte einer Kreatur, die allerortens der „Große Leviathan“
gerufen ward. So schrecklich solle er sein, daß weniger Starke ihm nicht ins
Antlitz zu blicken vermochten. Doch die Jünger des Heiligen Marathenan waren
fest im Glauben.
12. Als jedoch alle
Jünger ausgezogen
waren, zu suchen den Namen, da erhob der Große Leviathan sich vor dem „Hort des
Wissens“ in einer Wolke grauen
Staubes. Und er setzte einen Fuß auf den großen Ringwall und forderte den
Heiligen Marathenan, vorzutreten und in das Antlitz seines Untergangs zu
blicken. Der Heilige jedoch lachte nur und spottete dem Dämon.
13. So trat der Heilige
Marathenan vor den Dämon, der erzürnt war ob der
Spottreden. Und der Heilige trug ein
Schwert, das war gesegnet und unter dem hellen Licht der Sterne geschmiedet. Gar
mächtig war das Getöse, als beide aufeinander Einschlugen und die Erde erbebte.
So groß war die Macht und der
Segen Ultors.
14. Der Heilige Marathenan jedoch wußte den Namen des Dämons nicht und so
kämpfte er gegen das Untier mit der ganzen Macht seines Glaubens. Um die
Kämpfenden herum jedoch war der „Hort des Wissens“ zerstört und so ist es bis
auf den heutigen Tag geblieben.
15. Am Ende des Kampfes,
der lange
währte, hub der Heilige Marathenan sein Schwert und erschlug den finstren
Dämon. Doch so groß war dieser Schlag, daß der „Hort des Wissens“ endgültig
zusammenbrach und alles unter sich begrub.
16. Doch die Brüder des
Ordens des
Wissenden Geistes, die in aller Welt
verstreut waren, hatten eine Vision: Darin erschien ihnen der Heilige Marathenan
auf einer Sänfte, getragen von Cherubim. In seiner Rechten trug er einen Kelch,
gefüllt mit dem Safte seines Lebens, und in der linken trug er eine gewaltige
Schriftrolle. In seinem Brust und am Körper jedoch klafften zahlreiche Wunden,
die der Dämon ihm geschlagen. „Meine Brüder und Schwestern, ich verheiße euch
nun eine
Offenbarung, welche von der Größe
unseres Herrn, Ultor des Gerechten, zu
künden vermag. All unser Handeln war
nicht umsonst, denn die Namen liegen
verwahret an jenem Ort, den zu erreichen
nur vergönnt ist jenen, die der Herr zu sich gerufen hat. Doch bald wird kommen
eine Zeit, in der gefunden wird der Name der letzten Kreatur des Dunklen. Dann
werden alle unseres Glaubens sich erheben und antreten zum letzten Kampfe, dann
ist der Tag der letzten Läuterung gekommen.
Dann wird gesprochen jenes Gebet, in dem alle Namen vereint ergeben den Namen
dessen, der nicht genannt werden darf. Und das Licht der Sterne wird erstrahlen
hell, wenn unter ihnen aufgehet eine neue Sonne
der Läuterung, die verbrennet den
Dunklen. Der Tag wird kommen, Lobet
Ultor und bleibet stark im Glauben!“
17. Und die Cherubim trugen ihn wieder in das Lichte des Elysiums. Der „Hort des
Wissens“ ist bis auf den heutigen Tage im Erdenboden verschwunden, doch soll die
Stadt Murakus auf seinem Grundfesten stehen. Die Gebeine des Heiligen Marathenan
jedoch, er wurde
einhundertsechsundreißig Jahre alt, liegen noch immer dort begraben. Die Jünger
des Ordens des Wissenden Geistes suchen nun wieder die Namen der Dämonen, um
hernach einzuleiten die Tage der Letzten Läuterung. So ist es Ultor ein
Wohlgefallen!
5. Kapitel
Die heilige Prophetin Isidoria
1. So erschuf Ultor unser Herr eine Frau aus Varkaz, der er den Namen Isidoria,
die Friedfertige gab und welche den Orden der Gnadenvollen Vergebung führen
sollte. Und so sprach Iudexius: „Du, Isidoria, hast das lieblichste Wesen aber
gleichmaßen die Hände eines Heilers. So sollest du Gnade geben der Welt, aber
stark sein im Glauben um zu helfen den Siechenden und Kranken.“
2. Als also die Heilige
Isidoria herabgestiegen kam vom Berge, da erblickte sie viele Ultorianer, die
große Güte und Sanftmut in ihren Herzen hatten. Aber im gleichen Maße besaßen
sie auch die Stärke und die Kraft gerechte Taten zu vollbringen.
So sammelte sie denn diese Schar´und sprach: „Meine Brüder und
Schwestern, lasset uns zusammen mit den anderen unseres Glaubens ausziehen und
gute Taten vollbringen in der Welt.
Unsere Hände sollen Gnade all denen
geben, die sie verdienen, so sei es Ultor
ein Wohlgefallen!“
3. Mit jeder Gruppe Ultorianer also, die auszogen in die Welt, zog eine Gruppe
des Ordens der gnadenvollen Vergebung einher. Die Heilige Isidoria hatte eine
große Menge ihrer Jünger um sich geschart, um mit diesen gen Westen zu ziehen.
4. Der Weg war weit und beschwerlich,
doch die Heilige Isidoria sprach: „Meine Kinder, sehet die Leiden der Welt und
jene die daran darben oder gar sterben müssen. Höret auf eure Herzen und
errettet sie. Die Verderbten und Bösen jedoch laßt an ihrem Siechtum zugrunde
gehen! errettet die Reinen!“
5. Solcherart gestärkt schritten die
Ultorianer aus und wohin sie auch kamen, so halfen sie den Kranken, gaben was
sie von sich geben konnten und verfolgten die Kreaturen des Dunklen. Denn so war
der Pfad, auf dem sie wandelten, reiner als Licht und ihre Hände waren voller
Mildtätigkeit.
6. Doch einer war da im
Pantheon des
Dunklen, der wollte ihnen übles, wo auch immer sie ihre Schritte hin lenkten. Er
erschuf Plagen, die noch kein Mensch zuvor gesehen, er ließ Knochen zersplittern
und eitrige Geschwüre auf gesundem Fleische wachsen. Genannt wurde er jedoch
Mogasz und sein Name soll verdammet sein in alle Ewigkeit.
7. Wo auch immer das Kind den Chaos
seine Schritte hinlenkte, so waren doch
immer diejenigen des Ordens der
Gnadenvollen Vergebung nicht weit.
Welche Plage er auch ersann, so sannen die Brüder und Schwestern des Ordens
immer eine Heilmethode. Denn Ultor leuchtete ihnen den Weg!
8. Und die Heilige Isidoria kam an ein
gewaltiges Gebirge, welches genannt ward das Varkashan-Gebirge. Als ihre Jünger
das Gebirge erblickten, verzagten sie, da sie kein Schuhwerk trugen und ihre
Gewänder dünn und fadenscheinig waren. Doch die Heilige Isidoria sprach: „Ultor
wird uns den rechten Weg zeigen und sein Licht unsere Schritte leiten. Lasset
euch
von eurem Glauben wärmen und
beschützen.“
9. Also hatte die Prophetin gesprochen und so wandten sich die Ultorianer den
felsigen Gipfeln und kalten Bergpässen zu. Und so wurden die Worte der Heiligen
Isidoria wahr, denn die Ultorianer trafen auf ein einsam lebendes Geschlecht von
Menschen.
Diese gaben ihnen Speis und Trank und
alle Jünger der Prophetin labten sich und lobten Ultor.
10. Doch als die Schar die Berge
überwunden, kamen sie in eine weite,
sumpfige Ebene, die erfüllt war von
fauligen Dämpfen, brackigem Wasser und spärlichem Bewuchs. Abermals traf die
Heilige Isidoria auf ein einsam lebendes Geschlecht Menschen. Und sie hieß das
Land „Die Nebligen Marschen“. Alle Menschen jedoch erkannten in Ultor ihren
wahren Gott, denn die Heilige Isidoria hatte sie gesegnet.
11. Und auch hier trieb der Unheilige sein Unwesen an den Körper und Geist der
Menschen. Das Land war verseucht von Plagen und die hier lebten kämpften um ihr
Dasein mit allem, was ihnen zu gebote stand. Die Heilige Isidoria jedoch, die
hinter alledem die Hand des Dieners des Dunklen sah, erhob ihre Stimme und rief
die Bewohner der Nebligen Marschen sich
zu sammeln.
12. So sprach sie von einem Land, reich und schön, bar jeglicher Schrecken und
Krankheiten. Ein Land, wo reifes Korn,
Bäume voller Früchte und jegliche Art von Wild vorhanden sei. Die Heilige
Isidoria nannte es Lakion, oder „Das Land der Seeligkeit“. Und die Menschen
dürstete es nach Frieden und Gnade vor unserem Herrn.
13. Die Heilige Isidoria führte ihre Kinder alsdann auf das Varkashan-Gebirge zu, um sie zu erretten aus ihrem Leiden. Doch wohin sie ihre Schritte auch lenkten, die Kreaturen des Chaos folgten ihnen. Die Menschen jedoch setzten sich tapfer zur Wehr und Kämpfe entbrannten.
14. Als die Heilige Isidoria so viele ihrer Schutzbefohlenen sterben sah, erfaßte sie eine große Wut und sie ergriff das Schwert. Entschlossen trat sie dem Widersacher gegenüber und sprach: „Magst du noch so viele Plagen gegen uns ins Feld führen, noch so viele Krankheiten und Leiden, so wird das Schwert der Gerechtigkeit dich doch herniederstrecken.“
15. Und sie segnete das Schwert mit den Kräften der Heilung und den Mächten Ultors. Als hernach der Kampf entbrannte, fielen die Diener des Verfalls unter ihrer Klinge wie reifes Korn, denn sie konnten dem Segen der Heilung nicht widerstehen.
16. Doch die Heilige
Isidoria war nicht
geübt im Kampfe mit dem Schwert und
so sank sie nach gewonnener Schlacht aus zahlreichen Wunden blutend hernieder.
Während ein heimtückisches Fieber sie ergriff, trugen ihre Jünger sie zu ihrer
Liegestatt. Dort sprach die Heilige Isidoria, während der Segen Ultors sich wie
ein Glorienschein um ihr Antlitz zeigte:
„Meine Kinder, klaget nicht und seit fest im Glauben, denn ich werde euch
verlassen. Doch zuvor lauschet meinen Worten, denn ich werde euch offenbaren,
was ich in den Stunden meiner größten Not erblickt habe:
Wenn die Sünden aller Wesen auf der
Welt zu groß geworden, wenn dunkle
Schatten alles verhüllen und niemand sich dem Unrecht entgegenstellt, soll ein
großes Schreckniss geschehen. Sieben
Sterne sah ich vom Himmel fallen, am
siebten Tage im siebten Jahr des
Unrechts. Mit donnerndem Getöse werden sieben Cherubim erscheinen und
Wahrheiten über alle Geschlechter aller
Rassen auslassen und nur die stärksten
werden solchen Gewalten trotzen. Wenn
der letzte der sieben mit der sanften
Stimme einer Taube gesprochen, werden
Feuer sich entzünden und die, welche
Unrecht vollbracht in heißen Flammen
verzehren. So gemahne ich alle, des rechten Glaubens zu sein, gute Taten zu
vollbringen und den Namen Ultors,
unseres Herrn, in Ehren zu halten. Denn wer solches nicht tuet, der wird ohne
Zweifel in den Flammen der sieben
Cherubim geläutert. So spreche ich zu
allen Sprößlingen der wahren Gläubigen Lebet den wahren Glauben und ihr werdet bestehen!
Lobet Ultor!
17. Und als sie starb, zählte die Heilige
Isidoria über einhundertdreiundachtzig
Jahre, denn sie war die älteste aller
Propheten. Dennoch schien sie jung wie
die Morgenröte, ihr Zorn jedoch konnte,
wenn er entfacht, alles vernichten. Groß
war ihre Gnade, ihre Liebe für alle
Lebewesen und ihr Wissen um die Kräfte der Heilung. Möge Ultor ihrer Seele
gnädig sein!
6. Kapitel
Der heilige Prophet Deragar
1. Während all dieser Zeit der Wunder
vollbrachte Ultor es, aus dem Fleische des Varkaz den heiligen Propheten Deragar
zu formen. Und Iudexius sprach: „Mein Kind Deragar, von allen Propheten bist du
derjenige, der mir am ähnlichsten ist. Mit der Schärfe deines Geistes und deinem
überaus starken Gerechtigkeitssinn sollst du gesegnet sein im Namen Ultors. Dir
alleine vertraue ich die Obhut des Ordens des Gerechten Zornes an.“
2. Still und schweigsam schritt der Heilige Deragar vom Berge Shararat und still
und schweigsam wandelte er lange Zeit unter den versammelten Utorianern. Er
wählte sich jene, die von gestrengem Geiste und Stärke waren, die alleine
wandelten und sich keiner fremden Macht zu beugen trachteten. Als er jene
versammelt hatte, da sprach er: „Ihr seid mir die liebsten unter jenen Kindern
Ultors, doch vor euch liegt eine schwere Bürde, die ihr tragen müßt. Denn ihr
werdet unerkannt wandeln
und jene zu finden trachten, die sich dem
Willen Ultors zu widersetzen trachten.“
3. Während all die anderen Orden sich dem Bau von Klöstern widmeten, strebten jene vom Orden des Gerechten Zornes nach der Perfektion von Geist und Körper. Viele gingen hinaus und waren bestrebt, jene zu finden, die unrein waren, dem Chaos verfallen oder böse. Und der Heilige Deragar erkannte, daß sie gutes daran taten.
4. Doch auch der Heilige Deragar hatte einen Feind, widerlich anzusehen und scheußlich an Gestalt. Dies war und ist die große Spinne, die des Nachtens ihr unheiliges Werk verrichtet und der Prophet schwor ihr ewige Feindschaft und ging an gegen ihr Ränkespiel.
5. So sprach der Heilige Deragar: ”Meine Jünger, höret die Worte, die ich euch
zu künden habe. Unter den Menschen weilen jene, die der großen Spinne huldigen.
Sie sind unrein, beflecket von der Gier und Boshaftigkeit, aus welchem Grunde
alle
geläutert werden müssen in den Flammen.Doch unsere Mitbrüder werden dieser
Kreaturen nicht habhaft, verstecken sie sich doch unter jenen, die reinen
Glaubens sind. Wir jedoch, die wir wandeln, ohne erkannt zu werden und Worte
hören die anderen verborgen bleiben, können jenen Feind erkennen. Lobet Ultor!”
6. Doch nur jene, die besonders fest im
Glauben waren, konnten wandeln unter den Kreaturen der Finsternis, ohne ihren
Einflüsterungen zu verfallen. Und wenn
einer nur Gehör schenkte solch
blasphemischen Reden, so mußte er sich
geißeln sieben Tage und Nächte, bei
Wasser und Brot. Wenn er jedoch
teilnahem an solchen widerlichen Riten, wie sie beizeiten vollführet werden und
auf diese Weise dem Feinde verfiel, dann waren die Strafen vielseitig und hart.
Sollte er jedoch vollkommen anheimfallen dem Dunklen, so solle er gejagt werden
wie ein Feind und die Flammen der Läuterung
sollen gnädiges Vergessen bringen.
7. Alleine der Heilige Deragar war stark genug, sein Geist durchdrungen vom Glauben an die Gerechtigkeit, daß er sich unter den Kreaturen der Spinne bewegen konnte, ohne ihren Einflüsterungen anheimzufallen. Auch erkannten viele den Propheten nicht, wenn er seinen Geist wappnete gegen die Dunkelheit und einherschritt zwischen den verlorenen Seelen.
8. Und es kam der Tag, da
erlangte der
Heilige Deragar das Wissen um eine
Gemeinschaft, die sich zu den
Ultorianischen Priestern zählte, jedoch der Spinne an Geist und Körper verfallen
waren. Mögen ihre Namen vergessen, ihre Leiber verbrannt und ihre Seelen
ewiglich im Feuer leiden.
9. Zu den wenigen wahrhaftigen seiner Jünger sprach er: ”Und gehet dahin, umarmet sie Brüderlich und lauschet, welche Rede sie führen. Lasset euch zeigen die Orte ihrer Anbetung Ultors und prüfet sie auf Glauben und Reinheit. Seiet stark und lobet Ultor!”
10. So ging der Heilige Deragar in ihre Tempel, die sie zu ehren Ultors geweiht hatten. Und er sah daß sie zu dem Gott der Gerechtigkeit beteten wie die Heiden zu einem Götzenbilde. Denn ihre Worte waren falsch und ihre Gesänge klangen hohl und leer. Der Heilige Deragar jedoch gemahnte seine falschen Brüder an den wahren glauben, doch diese verleugneten ihn.
11. Die falschen
Ultorianer jedoch
sammelten sich des Nachts an einem
verlassenen Ort, zu huldigen ihrer neuen
Herrin. Dort beteten sie zu einem Abbild, gegossen aus purem Gold, geschwärzt
von dem dunklen Blute der Gemeuchelten. Und so wandelten ihre Seelen auf dem
falschen Pfad, für immer verloren und zu Lebzeiten schon in den Flammen der
Sterne brennend.
12. Einer der Götzendiener jedoch bereute
bitterlich und sprach zu dem Heiligen
Deragar von jenen Greueln. Und der
Heilige Deragar erzürnte fürchterlich. So sprach er zu den Jüngern seines
Ordens:
”So werden wir in sie hineinfahren wie das Schwert Ultors und die Waagschalen
werden sich neigen zu der Seite des Gerechten. Lasset uns stoßen das Götzenbild
von seinem Sockel und führen die falschen Priester zu ihrer Richtstätte.”
13. Als also der Heilige Deragar diese Worte gesprochen, geschah es hernach auch genauso. Und die Heerschaaren der Cherubim jubilierten im Elysium!
14. Doch der Heilige Deragar hörte die Verdammten im Feuer rufen nach ihrer Göttin, die eine Heimstatt hatte auf einer Insel aus Eis, bewohnet von jenen aus dem alten Geschlechte. So sah der Heilige eine Pflicht, zu wandeln auf jenem Pfad um zu zerstören, was die Spinne dort gebar.
15. Nur die Macht Ultors
vermochte ihn zu schützen vor den Blicken jener Alten und doch ewig Jungen. Doch
die Greuel der er dort gesehen, vermögen nicht genannt zu werden. Die Jünger des
Heiligen Deragar sahen jedoch eines Nachts Blitze am nördlichen Firmamente
zucken. Eines
folgenden Tages trat der Heilige Deragar wieder unter sie, die Hände geschwärzt
vom Kampfe und die Augen glühend im Siege.
16. Also sprach der
Heilige Deragar:
”Höret, meine Jünger, welche Dinge ich
erblicket und was jene Stimme sprach. Als ich wandelte in dieser Dunkelheit,
erstrahlte ein Licht und eine Stimme rein und klar verkündete mir die Dinge die
da kommen werden. Ich sah die Sterne am Firmament und den Mond klein und fern
erstrahlen, wie ein Schatten jedoch kroch die große Spinne der Erde entgegen.
Ein Gesang erscholl, der aus tausend Kehlen
zu verströmen schien und sieben Heerschaaren der Ultorianer kamen über das Land.
Und ein jeder trug einen Stern in der Linken und einen hell glänzenden Schild in
der Rechten. Ihre Gesichter jedoch waren Schatten und über einen jeden
Heerschaar schwebten Cherubim. Doch als die Spinne herniederkam, da hoben alle
Schild und Stern, so daß die Erde gleißte in hellem Lichte. Jedoch die Spinne
wird gebieren ihre Diener und ein Schlachten wird beginnen, daß kein Ende nehmen
wird. Und ich sah die Welt in einem Reigen aus Schwärze und Blut. So sprach die
Stimme, daß nur der Glaube an das Gerechte, an das Schwert und an Ultor unseren
Herrn unser aller Seelenheil wahren wird.”
17. Absatz: Der Heilige Deragar wurde
jedoch einhunderteinundvierzig Jahre alt,
bevor er seinen Weg zurück zu Ultor,
unser aller Herr, fand.
7. Kapitel
Die heilige Prophetin Raundir
1. Und unter jenen, die geschaffen wurden aus dem Fleische Varkaz, da war eine,
die schien geboren ein Schwert zu führen. Als sie geformt ward, da trug sie
schon einen hellglänzenden Panzer aus Kettengeflecht, einen ehernen Schild und
ein scharfes Schwert. Und Iudexius sprach: ”Du Raundir sollst seine jene, die
das Schwert mit großer Stärke und die Heerschaaren der Gerechtigkeit mit großem
Geschick zu führen vermag. So vertraue ich dir den Orden des reinigenden
Schwertes an.”
2. Als die Heilige Raundir jedoch in voller Rüstung den Berg herabgeschritten
kam, da ging ein Raunen durch die wartenden
Ultorianer. Viele, die das Schwert zu
führen wußten, knieten nieder und boten
der Heiligen Raundir ihre Waffen mit dem Heft zum Ergreifen an. Die Heilige
Raundir segnete jene und nahm die
Gläubigen gerne in ihre Obhut.
3. Die Heilige Raundir
aber führte ihre
Jünger in karges, wüstes Land, bar
jeglicher Sinnesfreuden. Einzig die
Schriften der Ultorianer und ihre
Schwerter nahmen sie mit, erbauten unter großen Entbehrungen befestigte
Heimstätten und Festungen. Dies aber war der Heiligen Raundir erste Lektion an
ihren Jünger, denn nicht nur der Geist solle sich mit theologischen Gedanken
befassen, auch der Körper solle lernen, was rechte Arbeit sei.
4. Als aber alles gebaut war und jeder ein Dach über dem Kopfe hatte, da ließ Raundir ihre Jünger innere Einkehr halten. Monatelang gaben sie sich dem Gesang und der Besinnung auf ihre wahren Werte hin. Die Schwertbrüder lernten auf diese Art und Weise, daß der Geist, selbst nach harten Entbehrungen immer noch Macht hat über den Körper.
5. Da nun Geist und Körper eins geworden, lehrte die Heilige Raundir ihre Jünger
alles, was sie über den Umgang mit dem Schwerte und allen anderen Waffen wußte.
Im stetigen Wechsel heftiger Waffengänge und lang anhaltender Kontemplation
erlangten die Schwertbrüder
bald eine große Reinheit zur
Erhöhung Ultors.
6. Die anderen Orden erkannten bald, das der Orden des Reinigenden Schwertes
derjenige sei, der die Macht des Schwertes Ultors am besten repräsentiere. Und
die Macht des Ordens war groß in jenen Tagen, denn das Chaos und auch die
schwarze Spinne drohten.
7. Zahlreich waren die Schlachten, die
Siege und auch die Verwüstungen, die das Chaos versuchte den Ultorianern
anzutun. Der starke Arm des Schwertes jedoch vermochte dank Ultors Hilfe die
verderbten Schaaren fernzuhalten. Gelobet sei unser Herr, Ultor der Gerechte!
8. Nach vielen Kämpfen kam es dazu, daß viele Anhänger des Dunklen sich in jenem
kalten Lande im Norden sammelten. Ein Heer war es, fast genauso groß, wie zu
Zeiten des Varkaz. Und der blasphemische, schwarze Heerwurm wälzte sich durch
die
Lande, verschlang alles Leben. Alleine die ultorianischen Orden unter der
Führung der Heiligen Raundir hatten die Kraft, sich dem Unheil entgegen zu
stellen.
9. So marschierte die Heilige Raundir
hinaus, auf die Tundra von Kirkhaminnen, welche noch hinter dem Hochlande von
Anguirum lieget, um sich dem Feind zu stellen. Laut sprach sie zu ihren Jüngern:
”Bleibet treu eurem Glauben, eurem
Herzen und der Gerechtigkeit! Ergreifet
eure Schwerter, hebt sie empor zu den
Sternen und lasset uns die Sklaven des
Dunklen läutern!” Und so geschah es.
10. Da rannen die Heerscharen des Chaos gegen die weißgewandeten Ultorianer und
es hub ein großes Sterben und Wehklagen an. Vierzehn Monde lang währte die
Schlacht, dann schienen die beiden Heerschaaren darnieder zu liegen. Die Heilige
Raundir wähnte den Sieg schon auf ihrer Seite.
11. Hinter den Reihen der
Dunklen jedoch verbarg sich eine gewaltige Kreatur, die sich jetzt nach vorne
wand. Es war dies Kulleia, der große Lindwurm, in dessen Windungen Männer und
Frauen zerdrückt
wurden und dessen Atem giftig wie Säure war. Und die Ultorianer sahen jede
Hoffnung fahren, bis die Heilige Raundir nach vorn trat.
12. Die Prophetin nahm
sechs ihrer besten Brüder und segnete ihre Schwerter mit folgenden Worte: ”Kraft
und Schärfe gebe ich euch, im Namen Ultors segne ich euch, dem Kampfe weihe ich
euch. Sieg der
Gerechtigkeit!” Ein jegliches benetzte sie
mit ihrem heilgen Blute, das glühte vor
Macht und verlieh Kampfeskraft.
13. So traten dann die
sieben vor und fochten gegen die verderbte Kulleia, worauf die Erde bebte. Die
beiden Heerschaaren jedoch wagten sich nicht unter die Kämpfenden, denn ein
jeder wäre erdrückt oder erschlagen worden, so groß war die Kraft der Gegner.
14. Doch nach der zwölften Stunde des Kampfes fiel der erste Schwertbruder, vom giftigen Odem der Kulleia benetzt. Und es war nicht der letzte. Denn obwohl die Kräfte der finsteren Kreatur immer mehr erlahmten, schwanden auch die Lebenskraft der Ultorianer.
15. Und doch blieb die Heilige Raundir
siegreich, wenngleich dem Tode nahe und
aus zahlreichen Wunden blutend. So
erhob sie das Schwert und erschlug mit
mächtiger Hand den Wurm, welcher vor
ihr zusammenbrach. Lob und Ehre der
Gerechtigkeit und unserem Herrn, Ultor, in der Höhe!
16. So nahm die Heilige Raundir die sieben Schwerter und stieß sie tief in den
Leib des Untiers. Daraufhin richtete sie ihre Stimme gegen beide Heere: ”Höret,
welche Prophezeihung ich in der Stunde meines Todes an euch richte. In der
Stunde meines größten Kampfes sprach Ultor folgende
Worte zu mir: Stoße die Klingen in den
toten Leib und es wird der Welt kein
Unheil geschehen, denn sieben ist eine
heilige Zahl. Denn ich sehe, daß nicht der stärkste auf der ganzen Welt ein
solche Klinge zu ziehen vermag und das Siegel der Unantastbarkeit zu brechen.
Denn so lange dieses Siegel bestehet, wird es dem Chaos nimmermehr gelingen, die
ganze Welt zu unterjochen. Dies ist das mächtige Siegel Ultors und es wird nicht
gebrochen werden.” Und es war so, die Kreaturen
des Chaos konnten weder die Klingen
nehmen, noch alle Länder unter der Sonne erobern.
17. Doch zu ihren Brüdern sprach die
Heilige Raundir folgende Worte: ”Meine Brüder, bitter sind die Wort die ich euch
zu offenbaren habe. Denn es wird einer kommen, der wird eine Klinge tragen, die
den sieben gleichwertig ist. Und Ultor sprach, daß jene Klinge am selben Orte in
das Erdreich gestoßen, das Siegel brechen wird.” Ein großer Schrecken durchfuhr
da die Schwertbrüder, denn ein wenig des Blutes der Heiligen Raundir
war auch auf eine andere Klinge getropft, doch keiner wußte mehr zu sagen,
welche es war.
18. Also verschied die Heilige Raundir nach ihrem größten Kampfe. Sie wurde
einhundertsechsundreißig Jahre alt und
führte das Schwert mit eiserner
Entschlossenheit. Die Schwertbrüder und alle anderen Orden der Ultorianer jedoch
suchen seitdem das fehlende Schwert und sie werden es im Namen der Gerechtigkeit
finden!
Lobet Ultor!